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Nach dem Abitur entscheiden sich viele für eine Berufsausbildung


Im Auftrag des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie hat die Bertelsmann-Stiftung in einer aktuellen Studie festgestellt, dass sich eine wachsende Zahl von Abiturient:innen für eine Berufsausbildung entscheiden.

In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil derer, die mit Abitur eine duale oder schulische Ausbildung beginnen, von 35 Prozent (2011) auf 47,4 Prozent im Jahr 2021 gestiegen. Das Interesse der Heranwachsenden ist also da – aber werden die Bedingungen und Perspektiven für den PTA-Beruf dem auch gerecht? Eher nicht! Wenn die Arbeitgeber in den öffentlichen Apotheken und Krankenhäusern nicht in eine Nachwuchs-Falle tappen wollen, sollten sie die Signale hören und richtig deuten.

„Die PTA-Ausbildung steht in Konkurrenz zu anderen Gesundheitsfachberufen, die z.B. eine Ausbildungsvergütung anbieten, oder kein Schulgeld anfällt“ – zu dem Ergebnis kommt – nicht überraschend – ein Eckpunktepapier der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Gesamtkonzept Gesundheitsfachberufe“. PTA bekommen in den ersten zweieinhalb Jahren ihrer Ausbildung nämlich: nichts! Und wenn man mal von den Gesundheitsfachberufen weg geht: Ein Auszubildender für den Beruf des Gärtners/Friedhofsgärtners bei einer Kommune bekommt im ersten Lehrjahr eine Vergütung von 1.108,26 Euro. Das sind in den ersten zweieinhalb Jahren gut 33.000 Euro, die man im Laufe des Berufslebens erst einmal aufholen muss als PTA.

Die AG „Attraktivität des PTA-Berufs der Bundesapothekerkammer (BAK)“ – ja, so etwas gibt es, und der BVpta arbeitet darin mit – formuliert in ihrer Schlussfolgerung noch relativ moderat: „Eine Schulgeldfreiheit an allen PTA-Schulen und eine Ausbildungsvergütung würden die Attraktivität steigern“. In der Tat! Clemens Tründelberg, Apotheker und Leiter der PTA-Schule Eisenhüttenstadt in Brandenburg und Initiator des Projekts „PTA Stipendium“, wird da sehr viel konkreter: „Um mehr junge Menschen für den Beruf PTA zu gewinnen, bedarf es nicht unbedingt der Akademisierung oder einer Vertretungsbefugnis, sondern erst einmal einer angemessenen finanziellen Wertschätzung schon während der Ausbildung. Das erhöhe die Attraktivität. Die Schüler möchten schließlich »auskömmlich Geld verdienen«. Apotheker müssten auch hier selbst aktiv werden und in den Nachwuchs investieren. Auf eine staatliche Vergütung brauche man nicht hoffen“, so Tründelberg. (Zum Hintergrund: Beim PTA-Stipendium zahlen Apothekeninhaber:innen in einen Fond, aus dem PTA-Schüler:innen während ihrer Ausbildung Geld bekommen.)

Die finanzielle Wertschätzung während der Ausbildung ist das eine. Die Perspektiven im PTA-Beruf sind das andere. Was kommt nach der Berufsausbildung? Wie kann ich in meinem Job noch besser durchstarten? Welche Karriere strebe ich an – und welchen Abschluss brauche ich dafür? Wahrscheinlich stellt sich jede Arbeitnehmeri:in irgendwann im Berufsleben diese Fragen. Manchmal noch während der Erstausbildung, ganz sicher aber nach einigen Jahren Berufstätigkeit. Und dabei steht fest: Fort- und Weiterbildung ist der Schlüssel zu mehr Kompetenzen, Aufstieg und Erfolg im Berufsleben. Nur: Bei den PTA ist von diesen Grundsätzen des Berufslebens bisher wenig zu erkennen. Das muss sich unbedingt ändern. Viele Beschäftigte würden länger in der Apotheke bleiben, wenn die Arbeitgeber:innen mehr in ihre berufliche Entwicklung investieren würden. Wir werden es bei Gesprächen mit den Arbeitgeber:innen immer wieder ansprechen.

Einen wichtigen Aspekt der jüngsten Bertelsmann-Studie sollte man allerdings nicht verdrängen: Schulabgänger mit Hauptschulabschluss haben es immer schwerer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Es sinkt nicht nur die Zahl der Hauptschulabsolventen insgesamt, sondern auch der Anteil derjenigen, die eine Ausbildung machen. Zwischen 2011 und 2021 hat sich der Anteil der Jugendlichen, die mit einem Hauptschulabschluss die Berufsausbildung beginnen, um ein Fünftel verringert. Viele dieser Jugendlichen gehen leer aus.

Ihre
Margareta Ewers