Was hat das Thema Wehrpflicht mit dem Beruf der PTA zu tun?
Rund 96 % aller PTA in Deutschland sind weiblich. Damit ist die PTA ein klassischer Frauenberuf. Vor diesem Hintergrund ist unser Berufsverband Mitglied im Deutschen Frauenrat (DF), der größten frauen- und gleichstellungspolitischen Interessenvertretung in Deutschland. Der DF setzt sich für die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen ein – national wie international.
Kürzlich nahm ich an einem verbandsinternen Dialog teil, in dem die Frage der Wehrpflicht beziehungsweise verpflichtender Ersatzdienste für alle Geschlechter diskutiert wurde. Ein hochaktuelles und brisantes Thema.
Ab Januar 2026 erhalten alle deutschen Staatsbürger im Jahr ihres 18. Geburtstags einen Fragebogen der Bundeswehr. Für junge Männer ist das Ausfüllen verpflichtend, für Frauen freiwillig. Damit gilt: gleiche Rechte, aber nicht gleiche Pflichten. Ist das wirklich Gleichstellung – oder eine andere Form von Diskriminierung? Werden Frauen damit erneut in die Rolle der passiven, zu schützenden Person gedrängt? Fakt ist: Für eine verpflichtende Einbeziehung von Frauen wäre eine Verfassungsänderung nötig.
Die Bundeswehr wurde 1955 von Männern für Männer gegründet. Der Frauenanteil liegt aktuell bei rund 13 %. Zwar werden dringend mehr Frauen benötigt, doch strukturelle Hürden bestehen weiterhin. Frauen leisten zudem deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit: Rund 43,5 % der unbezahlten Sorgearbeit wird täglich von Frauen erbracht. Das wirkt sich auch auf Karrierechancen innerhalb der Bundeswehr aus.
Was hat das mit dem PTA-Beruf zu tun? Ein Beispiel: Meldet sich eine Frau freiwillig für drei Jahre zur Bundeswehr und beginnt anschließend die PTA-Ausbildung, startet sie erst mit etwa 26 Jahren ins Berufsleben. Kommt dann ein Kinderwunsch hinzu, wirkt sich dies überdurchschnittlich negativ auf Einkommen und Rentenansprüche aus. Der Gender Pension Gap in Deutschland liegt derzeit bei rund 29,9 % – Frauen erhalten im Schnitt fast 30 % weniger Rente als Männer.
Mehr Frauen in der Bundeswehr sind wichtig. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass freiwilliger Wehrdienst die strukturellen Nachteile für Frauen nicht weiter verschärft. In diesem Zusammenhang ist Selbstbestimmung entscheidend – auch für Frauen in typischen Frauenberufen wie der PTA.
Eure Ute Jobes