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09. Oktober 2026

„Solidarität ist keine Einbahnstraße“

Statement des BVpta e. V. zu den Tarifverhandlungen in Nordrhein

Wir haben den Kampf der Apothekerschaft um bessere wirtschaftliche Bedingungen unterstützt. Jetzt erwarten wir kein großes Lohnversprechen, sondern ein ebenso klares Signal an die Beschäftigten: PTA dürfen tariflich nicht immer näher an den Mindestlohn heranrücken.

Die Tarifverhandlungen für die Apothekenbeschäftigten in Nordrhein sind bislang ohne Abschluss geblieben. Der Gehaltstarifvertrag ist zum 30. Juni 2026 ausgelaufen. Die Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein empfiehlt ab Oktober eine monatliche Erhöhung um 120 Euro für PTA und 200 Euro für PKA. ADEXA hat dieses Angebot abgelehnt.

Als BVpta verfolgen wir diese Entwicklung mit großer Sorge. Denn hinter der Diskussion über 120 oder 200 Euro steht eine grundsätzliche Frage: Was ist uns qualifizierte pharmazeutische Arbeit wert?

Eine PTA im ersten und zweiten Berufsjahr erhält in Nordrhein derzeit 2.590 Euro brutto bei einer 40-Stunden-Woche. Das entspricht knapp 15 Euro pro Stunde. Zum 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 14,60 Euro. Ohne eine entsprechende tarifliche Entwicklung läge eine ausgebildete PTA damit nur noch rund 37 Cent pro Stunde über dem Mindestlohn.

Diese Entwicklung sollte der gesamten Apothekerschaft zu denken geben.

Dabei wollen wir ausdrücklich keine Berufsgruppen gegeneinander ausspielen. PKA sind ein unverzichtbarer Teil der Apothekenteams und verdienen eine angemessene Vergütung. Ich selbst bin ausgebildete PKA und PTA und kenne den Wert beider Berufe sehr genau. Ein gutes Gehaltsgefüge muss jedoch unterschiedliche Qualifikationen, Tätigkeitsprofile und Verantwortungen auch erkennbar abbilden.

Genau hier sehen wir eine problematische Entwicklung: Noch 2025 betrug der tarifliche Abstand zwischen PTA und PKA in der ersten Gehaltsstufe in Nordrhein 238 Euro, seit Januar 2026 sind es 185 Euro. Nach dem aktuellen Vorschlag der TGL wären es nur noch rund 100 Euro.

Die Frage ist deshalb nicht, ob PKA zu viel verdienen. Die Frage ist, ob PTA ihrer Qualifikation und Verantwortung entsprechend bezahlt werden.

Auch der Blick über Nordrhein hinaus zeigt Handlungsbedarf: Im übrigen ADA-Tarifgebiet liegt das Einstiegsgehalt für PTA 2026 bei 2.646 Euro – bei einer tariflichen Wochenarbeitszeit von 39 statt 40 Stunden. Nordrhein liegt damit sowohl beim Gehalt als auch bei der Arbeitszeit zurück.

Als BVpta haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gemacht, dass wir die wirtschaftlichen Sorgen der Apothekeninhaberinnen und -inhaber sehen. Wir haben eine angemessene Anpassung des Apothekenhonorars unterstützt und PTA dazu ermutigt, hinter ihren Apotheken zu stehen. Denn ohne wirtschaftlich tragfähige Apotheken gibt es keine sicheren Arbeitsplätze.

Solidarität sollte aber in beide Richtungen funktionieren.

Deshalb wünschen wir uns jetzt auch einen deutlichen öffentlichen Schulterschluss der Apothekerschaft mit ihren Beschäftigten. Uns ist bewusst, dass eine Honorarverbesserung nicht eins zu eins in Personalkosten fließen kann und viele Betriebe weiterhin wirtschaftlich unter Druck stehen. Aber ebenso wenig kann die wirtschaftliche Lücke dauerhaft auf dem Rücken der Beschäftigten geschlossen werden.

Die Apothekenteams haben schwierige Jahre mitgetragen. Gerade PTA brauchen deshalb ein klares Signal: Wir sehen eure Qualifikation. Wir sehen eure Verantwortung. Und wir wollen, dass ihr in diesem Beruf bleibt.

Denn wir können nicht gleichzeitig über Fachkräftemangel sprechen, Nachwuchs für den PTA-Beruf gewinnen und über zusätzliche Kompetenzen und anspruchsvolle Weiterqualifizierungen diskutieren, während sich eine zweieinhalbjährige Ausbildung beim Berufseinstieg finanziell immer weiter dem gesetzlichen Mindestlohn annähert.

Gerade mit Blick auf die geplante Weiterqualifizierung gilt deshalb: Mehr Qualifikation und mehr Verantwortung müssen sich auch beruflich und finanziell bemerkbar machen. Niemandem kann man ernsthaft vermitteln, Zeit und möglicherweise eigenes Geld in eine anspruchsvolle Weiterqualifizierung zu investieren, wenn diese am Ende kaum Auswirkungen auf die Vergütung hat.

Und auch an die PTA selbst richten wir einen Appell: Wir müssen den Wert unserer Arbeit selbstbewusster vertreten. Gute berufliche Perspektiven entstehen nicht von allein. Wenn wir möchten, dass sich etwas verändert, müssen wir als Berufsgruppe sichtbar und hörbar dafür eintreten.

Die Apotheke vor Ort braucht wirtschaftlich gesunde Betriebe und angemessen bezahlte Fachkräfte. Das sind keine gegensätzlichen Interessen.

Wir haben als PTA hinter der Apotheke vor Ort gestanden. Jetzt wünschen wir uns, dass die Apotheke vor Ort genauso deutlich hinter ihren PTA steht.

Anja Zierath

Bundesvorsitzende BVpta e.V.